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Evangelisches Gemeinschaftswerk EGW

 Das EVANGELISCHE GEMEINSCHAFTSWERK ist eine eigenständige Bewegung innerhalb der Evangelisch-reformierten Landeskirche, entstanden im Pietismus des 19. Jahrhunderts. Das in seiner neuen Form 1996 gegründete Werk (aus dem Zusammenschluss der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Bern und des Verbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften des Kantons Bern) engagiert sich vielfältig in Gemeinde-, Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Diakonie.

 

Der Ursprung des Evangelischen Gemeinschaftswerks
Die Geschichte des Evangelischen Gemeinschaftswerks beginnt im 19. Jahrhundert. 1831 wurde es als Evangelische Gesellschaft des Kantons Bern gegründet. Die Gründung war eine Reaktion auf den aufkommenden Liberalismus, der auch im Kanton Bern um sich griff. Ungefähr 50 Brüder versammelten sich damals beim „blinden Eisi", darunter Patrizier, Pfarrer, Theologiestudenten und Männer vom Land. Erklärtes Ziel war es, innerhalb der „geliebten Berner Kirche" zu bleiben. Erster Präsident wurde der Patrizier Kurt Stettler-von Rodt, der das junge Werk während ungefähr 40 Jahren umsichtig leitete.

 

Entwicklung
Es wurden sogenannte Hilfsvereine ins Leben gerufen und Bibel-, Gebets- und Missionsstunden abgehalten. Man versuchte Gläubige zu sammeln und ihren Glauben zu vertiefen. Dies alles ganz bewusst innerhalb der Berner Kirche. Dazu wurden auch Reiseprediger angestellt, mit wechselndem Erfolg. Aber auch in der Diakonie und im Schulwesen war man tätig.
So wurde das bekannte Lehrerseminar Muristalden ins Leben gerufen und wenig später kamen die Neue Mädchenschule und das Freie Gymnasium dazu.

Blütezeit
Eine richtige Blütezeit erlebte die Evangelische Gesellschaft anfangs der 80er-Jahre des neunzehnten Jahrhunderts. Der Basler Missionar Elias Schrenk wurde vom Komitee nach Bern gerufen, von wo aus er von 1879 - 1886 das Bernerland „bearbeitete". Er wird wohl mit Recht als „der Bahnbrecher der Evangelisation" bezeichnet. Nirgends in der Schweiz hat vorher und nachher eine pietistische Erweckung mit einer solchen Breitenwirkung stattgefunden. Bald platzte das Werk aus allen Nähten. Überall wurden Vereinshäuser gebaut, Säle bereitgestellt und Evangelisten angestellt. 

Krisenzeiten 
Das noch ungefestigte Werk erlebte auch Krisenzeiten. So kam es 1908 zur Abspaltung und Gründung der Landeskirchlichen Gemeinschaft des Kantons Bern und wenig später zur Entstehung des Evangelischen Brüdervereins.

 

Wiedervereinigung
In einer eindrücklichen Feier im Berner Münster haben sich die Evangelische Gesellschaft und der Verband Landeskirchlicher Gemeinschaften im Januar 1996 wieder zusammengeschlossen. Der Zusammenschluss erregte weithin Aufsehen.

 

Selbstverständnis
Die Grundlage unseres Werkes ist die Offenbarung Gottes in Jesus Christus, wie sie in den Heiligen Schriften bezeugt wird. Wegweisend für die Auslegung der Heiligen Schrift sind das Apostolische Glaubensbekenntnis und die Bekenntnisse der Reformation in ihren Grundaussagen. 

So verstehen wir unseren AuftragWeil Gott die verlorene Welt liebt und in Jesus Christus gerettet hat, suchen wir neue und kreative Wege

  • ihn anzubeten und unter seiner Herrschaft zu leben – Anbetung 
  • das Leben mit den Menschen zu teilen – Diakonie 
  • das Evangelium den Menschen zu sagen – Evangelisation 
  • als begnadigte, sündhafte Menschen miteinander zu leben – Gemeinschaft
  • einander zu ermutigen in Freiheit und Verantwortung vor Gott den Dienst zu tun – Gemeindekultur 

 

Wir verstehen uns nicht als Kirche, sondern als eine Bewegung innerhalb der Volkskirche und darüber hinaus. Das EGW ist in Gremien und Ortschaften seit vielen Jahren ein geschätztes Bindeglied zwischen Freikirchen und Landeskirche. Damit bleiben wir unserem Auftrag und den Zielen der Gründergeneration treu, eine Sammelbewegung von Christen zu sein. “In der Kirche, mit der Kirche, aber nicht unter der Kirche“ sehen wir unseren Weg.

 

Aufgabenschwerpunkte
Die Arbeit des EGW gliedert sich in über 35 Bezirken, die sich aus geschichtlichen Gründen fast ausschliesslich im Kanton Bern befinden. Schwerpunkte bilden Gemeinde-, Kinder- und Jugendarbeit. Auffallend oft finden wir ausgeprägte Mehrgenerationengemeinden.

Das Werk hat etwas über 3’900 Mitglieder und einen grossen Kreis von Freunden. Über 50 voll- und teilzeitlich angestellte Mitarbeiter arbeiten im EGW.

Das EGW hat kein eigenes Missionswerk. Ausgesendet und unterstützt von den EGW Gemeinden arbeiten jedoch über 70 Missionare in aller Welt.
Verschiedenste diakonische Werke sind aus der Arbeit des EGW entstanden. Heute gehören ein Pflegeheim, eine Ausländerarbeit in Bern, sowie kleinere und grössere Projekte der Bezirke zum EGW..
Der werkseigene Berchtold Haller Verlag als Herausgeber u.a. des berndeutschen Testamentes, ein eigenes Magazin (wort+wärch), die Rolling Church, ein Hotel sowie ein Ferienheim sind weitere bekannte, teils eigenständige Zweige des EGW.