Evangelisch-methodistische Kirche (EMK)
Die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) in der Schweiz gehört seit rund 150 Jahren zur Schweizer Kirchenlandschaft. Sie umfasst heute rund 120 Gemeinden mit rund 13'000 Mitgliedern und Freunden.
Geschichte
Die Anfänge der EMK gehen auf die beiden anglikanischen Pfarrer John und Charles Wesley zurück, die im 18. Jahrhundert in England lebten. Der Begriff „methodistisch“ war ursprünglich ein Spottname für die hoch strukturierte Lebensweise eines Studentenkreises an der Universität Oxford, dem damals auch die Brüder Wesley angehörten. Die Mitglieder verpflichteten sich zu täglicher Bibellektüre, Gebet, Fasten und Wohltätigkeit.
Erste methodistische Gemeinden in der Schweiz entstanden 1856 in Lausanne und Zürich. Der Methodismus breitete sich schnell aus und wuchs bis zum Zweiten Weltkrieg zur grössten freikirchlichen Bewegung in der Schweiz an. Die neu entstandenen Kirchgemeinden gewannen Mitglieder und Freunde und führten oft grosse Sonntagschulen und Chöre. Im Jahr 1968 vereinigten sich die Evangelische Gemeinschaft und die Methodistenkirche zur Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK).
Selbstverständnis
Massgebende Grundlage für das Leben und den Dienst der EMK ist das Evangelium der Bibel. Die Kirche pflegt ein differenziertes Bibelverständnis, das auch die Tradition, die Vernunft im Sinne des gesunden Menschenverstandes und die persönliche (Alltags-) Erfahrung einbezieht. Damit verbunden ist ein grosser Freiraum für das persönliche Bekenntnis im Alltag eines Glaubens, der in der Liebe tätig ist. Die EMK will diese Vielfalt ausdrücklich ermöglichen und aushalten. Kirchengründer John Wesley formulierte es so: „In allen Fragen, die nicht die Wurzel des Christentums treffen, halten wir es mit der Regel: Denken und denken lassen.“
Die EMK ist dennoch eine missionarische Kirche, die Menschen zu einer persönlichen Gottesbeziehung einlädt. Mitglied der Kirche wird, wer vor der Gemeinde ein Bekenntnis seines Glaubens ablegt.
Aufgabenschwerpunkte
Methodistische Verkündigung zielt auf Veränderung im persönlichen Leben und in der Gesellschaft. Von Beginn weg öffnete dies den Blick für die Armen, Entrechteten und Vernachlässigten in der Gesellschaft.
Innerhalb der EMK Schweiz sind Altersheime, eine Wohngemeinschaft für Mutter und Kind, ein sozial-therapeutisches Wohnheim, ein sozialdiakonisches Werk für Kinder und Erwachsene, Häuser für Ferienlager und Hotels Ausdruck des kirchlichen Dienstes an der Gesellschaft. Auch die einzelnen Gemeinden engagieren sich in ihrem Umfeld zum Beispiel mit Besuchen bei Alten und Einsamen, Mittagstischen, Kinder- und Jugendarbeit oder in der Begleitung Randständiger.
Organisation und Finanzen
Die EMK ist als schweizweiter Verein eingetragen und beschäftigt 115 Angestellte. Die rund 13'000 Mitglieder und Freunde tragen die Ausgaben ihrer Gemeinden und der Gesamtkirche vollumfänglich mit Spenden. Die EMK Schweiz sorgt durch einen Finanzausgleich dafür, dass auch Kirchgemeinden mit wenigen Ressourcen ihre Aufwendungen tragen können. Ein spezielles Konto unterstützt Neugründungen von Kirchgemeinden. Aktuell besteht ein Gemeindegründungsprojekt in Bern.
Geleitet wird die EMK Schweiz durch Bischof Patrick Streiff und die vier Distriktsvorsteher, die zusammen das Kabinett bilden, sowie durch den Kirchenvorstand, der sich vorwiegend mit den Finanzen und Liegenschaften der EMK Schweiz befasst. Oberstes Organ ist die Jährliche Konferenz der EMK Schweiz-Frankreich, der alle Pfarrerinnen und Pfarrer sowie eine gleiche Zahl von Laienmitgliedern angehören.
Teil der weltweiten Kirche
Die EMK ist Teil der United Methodist Church (UMC) mit weltweit über 10 Millionen Mitgliedern.
Eine besondere Verbindung unterhält die Schweizer Kirche zur EMK in Nordafrika, Frankreich, Mitteleuropa und im Balkan. Diese Länder gehören ebenfalls zum Bischofsgebiet von Bischof Patrick Streiff. Ausserdem pflegt sie freund- und partnerschaftliche Beziehungen zu Methodisten in Afrika und Südamerika sowie in Kambodscha. Connexio, das EMK-Netzwerk für Mission und Diakonie, finanziert verschiedenste Projekte in diesen Ländern.
In der Schweiz engagiert sich die EMK als verbindendes Glied zwischen Landes- und Freikirchen. Sie sucht die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen am Ort und darüber hinaus, sei es im Rahmen der Ökumene, der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) oder des Freikirchenverbandes VFG. Die EMK gehört dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) an.